Inhaltsverzeichnis
Einreihige Schrägkugellager
- Lagerausführung
- Belastbarkeit
- Ausgleich von Winkelfehlern
- Schmierung
- Abdichtung
- Drehzahlen
- Geräusch
- Temperaturbereich
- Käfige
- Lagerluft
- Abmessungen, Toleranzen
- Nachsetzzeichen
- Aufbau der Lagerbezeichnung
- Dimensionierung
- Mindestbelastung
- Gestaltung der Lagerung
- Ein- und Ausbau
- Rechtshinweis zur Datenaktualität
- Weiterführende Informationen
Schrägkugellager
Einreihige Schrägkugellager
Einreihige Schrägkugellager eignen sich gut, wenn:
- Lagerungen kombinierte Belastungen – d. h. gleichzeitig wirkende Radial- und Axialbelastungen – aufnehmen müssen ➤ Bild
- einseitig mittlere bis hohe Axiallasten vorliegen
- eine steife axiale Führung gefordert ist
- die Lagerung axial spielfrei oder vorgespannt sein muss
- bei höheren Radial- und Axiallasten hohe Drehzahlen gefordert sind
- die Lagerung bei den oben genannten Anforderungen auch geräuscharm laufen soll.
Schrägkugellager: Drehzahlvergleich mit Kegelrollenlager nG = Grenzdrehzahl |
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Lagerausführung
Ausführungsvarianten
Das Standardsortiment umfasst die Lager der Reihen 718..-B, 70..‑B(‑2RS), 72..-B(‑2RS), 73..‑B(‑2RS) und 74..‑B. Für unterschiedliche Anwendungszwecke ausgelegt, gibt es diese Lager als:
- Lager der Grundausführung für Lagerungen mit Einzellagern ➤ Bild
- Universallager für den satzweisen Einbau in Tandem-, O- oder X‑Anordnung ➤ Bild, ➤ Bild, ➤ Bild
- X-life-Lager ➤ Link.
Darüber hinaus stehen einreihige Schrägkugellager noch in weiteren Maßreihen, Ausführungen und Größen zur Verfügung. Informationen zu diesen Lagern gibt Schaeffler auf Anfrage. Größere Kataloglager GL 1.
Lager der Grundausführung für Lagerungen mit Einzellagern
Die Kräfte werden schräg zur Radialebene übertragen
Einreihige Schrägkugellager gehören zur Gruppe der Radial-Kugellager. Diese selbsthaltenden Baueinheiten haben massive Außen- und Innenringe. Käfige aus Polyamid, Stahlblech oder Messing führen die Wälzkörper. Die Lagerringe sind mit einer hohen und einer niedrigen Schulter ausgeführt ➤ Bild. Bedingt durch die unterschiedlichen Schulterhöhen unterscheidet sich das Montageverfahren von dem der Rillenkugellager. Die mögliche Kugelanzahl ist bei abmessungsgleichen Schrägkugellagern höher als bei Rillenkugellagern. Gegenüber Rillenkugellagern sind die Laufbahnen im Innen- und Außenring in Richtung der Lagerachse schräg gegeneinander angeordnet. Dadurch werden die Kräfte unter einem definierten Druckwinkel (schräg zur Radialebene) von einer Laufbahn auf die andere übertragen ➤ Bild.
Für Lagerstellen mit jeweils nur einem Lager
Diese Schrägkugellager kommen in Frage, wenn pro Lagerstelle nur ein Lager eingesetzt wird. Da die Lager die üblichen Lagerring-Toleranzen haben (sie werden mit der Toleranzklasse Normal gefertigt), eignen sie sich nicht für den Einbau unmittelbar nebeneinander. In solchen Fällen sollte auf Universallager zurückgegriffen werden.
Einreihiges Schrägkugellager der Grundausführung Fr = Radiale Belastung Fa = Axiale Belastung α = Nenndruckwinkel |
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Universallager für den satzweisen Einbau
Lager sind in beliebiger Anordnung paarweise einbaubar
Einreihige Schrägkugellager, die für den paarweisen (satzweisen) Einbau unmittelbar nebeneinander bestimmt sind, werden als sogenannte Universalausführung gefertigt ➤ Bild, ➤ Bild, ➤ Bild. Diese Lager können ohne Passscheiben in jeder beliebigen Anordnung gepaart werden. Das montierte Lagerpaar hat dann je nach gewählter Ausführung das gewünschte axiale Spiel, Spielfreiheit oder Vorspannung. Dies vereinfacht die Gestaltung der Lagerung und den Einbau der Lager.
Bei der Bestellung ist jeweils die Anzahl der Lager und nicht die Anzahl der Lagerpaare anzugeben.
Nachsetzzeichen: UA, UB, UO, UL, UM, UH
Lager in Universalausführung sind am Nachsetzzeichen UA, UB, UO, UL, UM oder UH zu erkennen ➤ Tabelle. Werden Lager der Universalausführung satzweise angeordnet, dann ergibt sich ein definiertes Axialspiel bzw. eine axiale Vorspannung:
- UA = Lagersatz mit geringer Axialluft
- UB = Lagersatz mit geringerer Axialluft als UA
- UO = Lagersatz spielfrei bei O- und X-Anordnung
- UL = Lagersatz leicht vorgespannt
- UM = Lagersatz mittel vorgespannt
- UH = Lagersatz stark vorgespannt.
Gründe für den satzweisen Einbau
Ein satzweiser Einbau einreihiger Schrägkugellager wird gewählt, wenn:
- die Tragfähigkeit eines Lagers nicht ausreicht (Lagersatz in Tandemanordnung)
- kombinierte oder axiale Belastungen in beiden Richtungen auftreten und die Lagerung über ein definiertes Axialspiel verfügen muss (Lagersatz in O- oder X-Anordnung).
Bei satzweisem Einbau sind folgende Anordnungen möglich:
Lagersätze in Tandem-Anordnung
Tandem-Anordnung
Bei Tandem-Anordnung verlaufen die Drucklinien parallel zueinander ➤ Bild. Axiale Kräfte werden auf beide Lager gleichmäßig verteilt, der Lagersatz kann diese jedoch nur aus einer Richtung aufnehmen. Zur Aufnahme axialer Kräfte aus der Gegenrichtung und zur Aufnahme von kombinierten Belastungen wird der Lagersatz immer gegen ein weiteres Lager angestellt.
Universallager, satzweiser Einbau in Tandem-Anordnung Lagersatz in Tandem-Anordnung |
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Lagersätze in O-Anordnung
O-Anordnung
Bei O-Anordnung zeigen die von den Drucklinien gebildeten Kegel mit ihren Spitzen nach außen, d. h. sie laufen zur Lagerachse hin auseinander ➤ Bild. Lagersätze in O-Anordnung nehmen axiale Kräfte aus beiden Richtungen auf, jedoch immer nur von einem Lager. Sie ergeben durch den großen Stützabstand (d. i. der Abstand der Druckkegelspitzen zueinander) relativ steife Lagerungen (geringes Kippspiel) und sind auch zur Aufnahme von Kippmomenten geeignet.
Universallager, satzweiser Einbau in O-Anordnung Lagersatz in O-Anordnung S = Druckkegelspitze H = Stützabstand |
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Lagersätze in X-Anordnung
X-Anordnung
Bei X-Anordnung zeigen die von den Drucklinien gebildeten Kegel mit ihren Spitzen nach innen, d. h. sie laufen zur Lagerachse hin zusammen ➤ Bild. Solche Lagersätze nehmen ebenfalls axiale Kräfte aus beiden Richtungen auf, allerdings auch immer nur von einem Lager. Die Stützbasis ist jedoch kleiner als bei O-Anordnung. Dadurch sind die Sätze nicht so starr wie bei einer O-Anordnung. Außerdem eignen sie sich weniger gut zur Aufnahme von Kippmomenten.
Universallager, satzweiser Einbau in X-Anordnung Lagersatz in X-Anordnung H = Stützabstand |
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X-life-Premiumqualität
Viele Größen der Reihen 70..-B, 72..-B, 73..-B und 74..-B sind als X-life-Lager lieferbar. Gegenüber einreihigen Standard-Schrägkugellagern sind diese Lager wesentlich leistungsstärker ➤ Bild. Erreicht wird dies u. a. durch die geänderte Innenkonstruktion und höhere Oberflächengüte der Kontaktflächen, das optimierte Käfigdesign sowie durch die bessere Qualität des Stahls und der Wälzkörper.
Vorteile
Höherer Kundennutzen durch X-life
Aus den technischen Detailverbesserungen ergibt sich eine Reihe von Vorteilen wie z. B.:
- eine günstigere Lastverteilung im Lager und damit eine höhere dynamische Belastbarkeit der Lager ➤ Bild
- eine höhere Laufruhe
- ein reibungsärmerer, energieeffizienterer Lauf
- eine niedrigere Wärmeentwicklung im Lager
- höhere mögliche Drehzahlen
- ein geringerer Schmierstoffverbrauch und dadurch längere Wartungsintervalle
- eine messbar längere Gebrauchsdauer der Lager
- eine hohe Betriebssicherheit
- kompakt bauende, umweltfreundliche Lagerungen.
Niedrigere Betriebskosten, höhere Maschinenverfügbarkeit
In Summe verbessern diese Vorteile die Gesamtwirtschaftlichkeit der Lagerstelle deutlich und erhöhen damit die Effizienz der Maschine und Anlage nachhaltig.
Nachsetzzeichen XL
Einreihige X-life-Schrägkugellager haben das Nachsetzzeichen XL im Kurzzeichen ➤ Bild und ➤ Bild.
Vergleich der dynamischen Tragzahl Cr – Lagerreihe 73..‑B‑XL, Bohrungskennzahl 05 bis 26 mit einem Lager ohne X-life-Qualitäten (73..-B) Cr = Dynamische Tragzahl
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Anwendungsbereiche
Breites Einsatzspektrum
Aufgrund ihrer besonderen technischen Merkmale eignen sich einreihige X-life-Schrägkugellager sehr gut für Lagerungen in:
- Kompressoren
- Flüssigkeits- und Hydraulikpumpen
- Automotive-Fahrwerken und -Getrieben
- Industriegetrieben
- Elektromotoren
- Industrieventilatoren
- Werkzeugmaschinen
- Textilmaschinen.
X-life steht für eine hohe Produkt-Leistungsdichte und damit für einen besonders großen Kundennutzen.
Belastbarkeit
Radiale Belastung
Einreihige Schrägkugellager nehmen hohe radiale Kräfte auf. Auch reine Radialbelastungen sind möglich, wenn die Lager angestellt sind.
Eine axiale Belastung ist nur einseitig möglich
Axiale Belastungen werden – bedingt durch die Form und Lage der Laufbahnschultern – nur aus einer Richtung übertragen ➤ Bild. Müssen diese Schrägkugellager axiale Kräfte aus beiden Richtungen aufnehmen, werden sie gegen ein zweites Lager angestellt, das spiegelbildlich angeordnet ist ➤ Bild und ➤ Bild.
Die axiale Belastbarkeit der Lager steigt mit der Größe des Druckwinkels
Der Druckwinkel α ist der Winkel, den die Drucklinie mit der Radialebene einschließt und unter dem die Belastung von einer Laufbahn auf die andere übertragen wird ➤ Bild. Mit der Größe von α steigt auch die axiale Tragfähigkeit des Lagers, d. h. je größer der Winkel ist, desto höher kann das Lager axial belastet werden. Dadurch eignen sich Schrägkugellager besser zur Aufnahme höherer Axialkräfte als Rillenkugellager. Aufgrund des Nenndruckwinkels von α = 40° nehmen einreihige Schrägkugellager einseitig hohe axiale Belastungen auf.
Zu lieferbaren Schrägkugellagern mit anderen Druckwinkeln als α = 40° bitte bei Schaeffler rückfragen.
Druckwinkel und Kraftfluss α = Druckwinkel
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Belastbarkeit von Lagersätzen
Die dynamischen und statischen Tragzahlen Cr und C0r in den Produkttabellen beziehen sich immer auf das Einzellager. Werden zwei Lager gleicher Größe und Ausführung unmittelbar nebeneinander in O- oder X‑Anordnung eingebaut, gelten für die Lagerpaare:
- Cr = 1,625 · Cr Einzellager
- C0r = 2 · C0r Einzellager.
Ausgleich von Winkelfehlern
Die Winkeleinstellbarkeit der Lager ist sehr gering
Einreihige Schrägkugellager eignen sich nicht zum Ausgleich von Winkelfehlern. Fluchtungsfehler erzeugen zusätzlich innere Kräfte im Lager, die neben höheren Temperaturen auch zu einer Reduzierung der Lagerlebensdauer führen.
Satzweise eingebaute Schrägkugellager
Schiefstellungen bei satzweise eingebauten Schrägkugellagern führen – besonders bei kleiner Lagerluft und O-Anordnung – zu erhöhten Kugel- und Käfigbeanspruchungen, da die Winkelfehler unter Zwang zwischen den Kugeln und Laufbahnen aufgenommen werden. Das wiederum kann sich negativ auf die Gebrauchsdauer der Lager auswirken. Zu beachten ist außerdem, dass sich durch eine Schiefstellung der Lagerringe das Laufgeräusch erhöht.
Schmierung
Befettete Lager sind wartungsfrei
Beidseitig abgedichtete Schrägkugellager sind mit einem Qualitätsfett befettet und müssen nicht nachgeschmiert werden.
Nicht befettete Lager sind zu schmieren
Offene und einseitig abgedichtete Lager sind nicht befettet. Diese Lager müssen mit Öl oder Fett geschmiert werden.
Verträglichkeit mit Kunststoffkäfigen
Werden Lager mit Kunststoffkäfig verwendet, ist sicherzustellen, dass beim Einsatz von Syntheseölen oder Schmierfetten auf Syntheseölbasis sowie bei Schmierstoffen mit einem hohen Anteil an EP‑Zusätzen die Verträglichkeit des Schmierstoffs mit dem Käfigmaterial gegeben ist.
Ölwechselfristen einhalten
Gealtertes Öl und im Öl enthaltene Additive können bei höheren Temperaturen die Gebrauchsdauer der Kunststoffe beeinträchtigen. Vorgegebene Ölwechselfristen müssen deshalb unbedingt eingehalten werden.
Abdichtung
Abdichtung mit berührenden Dichtungen 2RS
Lager mit dem Nachsetzzeichen 2RS haben beidseitig Lippendichtungen ➤ Tabelle. Sie eignen sich durch ihre gute Dichtwirkung zum Einsatz in staubiger, schmutziger oder feuchter Umgebung.
Offene Lager
Bei nicht abgedichteten Lagern muss die Abdichtung der Lagerstelle durch die Anschlusskonstruktion erfolgen. Die Abdichtung muss zuverlässig verhindern, dass:
- Feuchtigkeit und Verunreinigungen in das Lager gelangen
- Schmierstoff aus dem Lager austritt.
Drehzahlen
Grenz- und Bezugsdrehzahlen in den Produkttabellen
In den Produkttabellen sind in der Regel zwei Drehzahlen angegeben:
- die kinematische Grenzdrehzahl nG
- die thermische Bezugsdrehzahl nϑr.
Grenzdrehzahlen
Die Grenzdrehzahl nG ist die kinematisch zulässige Drehzahl des Lagers. Sie darf auch bei günstigen Einbau- und Betriebsbedingungen nicht ohne vorherige Rücksprache mit Schaeffler überschritten werden ➤ Link.
Die in den Produkttabellen angegebenen Werte gelten bei nicht abgedichteten oder gedeckelten Lagern für Ölschmierung und bei werkseitig befetteten, abgedichteten oder gedeckelten Lagern für Fettschmierung.
Werte bei Fettschmierung
Bei Fettschmierung sind jeweils 75% des in den Produkttabellen angegebenen Wertes zulässig.
Bezugsdrehzahlen
nϑr dient zur Berechnung von nϑ
Die thermische Bezugsdrehzahl nϑr ist keine anwendungsbezogene Drehzahlgrenze, sondern eine rechnerische Hilfsgröße zur Ermittlung der thermisch zulässigen Betriebsdrehzahl nϑ ➤ Link.
Lager mit berührenden Dichtungen
Für Lager mit berührenden Dichtungen sind nach DIN ISO 15312:2004 keine Bezugsdrehzahlen definiert. In den Produkttabellen ist für diese Lager deshalb nur die Grenzdrehzahl nG angegeben.
Lagersätze in Universalausführung
Lagerpaare haben in der Regel niedrigere Drehzahlen als Einzellager
Schrägkugellager in Universalausführung können in X-, O- oder Tandem-Anordnung eingesetzt werden ➤ Bild bis ➤ Bild. Die thermisch zulässige Betriebsdrehzahl eines Lagerpaares liegt dann etwa 20% unter der berechneten zulässigen Betriebsdrehzahl des Einzellagers.
Geräusch
Als neues Merkmal zum Vergleich des Geräuschniveaus unterschiedlicher Lagerarten und Baureihen wurde der Schaeffler Geräuschindex (SGI) entwickelt. Damit ist es erstmals möglich, eine Geräuschbewertung von Wälzlagern durchzuführen.
Schaeffler Geräuschindex
Der SGI-Wert basiert auf dem nach internen Standards maximal zulässigen Geräuschniveau eines Lagers, welches in Anlehnung an ISO 15242 ermittelt wird. Zum Vergleich unterschiedlicher Lagerarten und Baureihen ist der SGI-Wert über der statischen Tragzahl C0 aufgetragen.
Damit ist es möglich, Lager gleicher Tragfähigkeit direkt zu vergleichen. In den Diagrammen ist jeweils der obere Grenzwert angegeben. Das bedeutet, dass das durchschnittliche Geräuschniveau der Lager noch kleiner ist, als im Diagramm dargestellt.
Der Schaeffler Geräuschindex ist ein zusätzliches Leistungsmerkmal zur Lagerauswahl bei geräuschsensiblen Anwendungen. Die spezifische Eignung eines Lagers für eine Anwendung, beispielsweise hinsichtlich Bauraum, Tragfähigkeit oder Drehzahlgrenze, ist davon unabhängig zu prüfen.
Schaeffler Geräuschindex für einreihige Schrägkugellager SGI = Schaeffler Geräuschindex C0 = Statische Tragzahl |
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Temperaturbereich
Limitierende Größen
Die Betriebstemperatur der Lager ist begrenzt durch:
- die Maßstabilität der Lagerringe und Wälzkörper
- den Käfig
- den Schmierstoff
- die Dichtungen.
Mögliche Betriebstemperaturen für einreihige Schrägkugellager ➤ Tabelle.
Zulässige Temperaturbereiche
Betriebstemperatur |
Einreihige Schrägkugellager, offen |
Einreihige Schrägkugellager, abgedichtet |
|
---|---|---|---|
mit Stahlblech- oder Messingkäfig |
mit Polyamid-käfig PA66 |
||
|
–30 °C bis +150 °C, |
–30 °C bis +120 °C |
–30 °C bis +110 °C, |
Sind Temperaturen zu erwarten, die außerhalb der angegebenen Werte liegen, bitte bei Schaeffler rückfragen.
Käfige
Standard sind Massivkäfige aus Messing und PA66 sowie Stahlblechkäfige
Standardkäfige und zusätzliche Käfigausführungen für einreihige Schrägkugellager sind aus Messing, Polyamid oder Stahl ➤ Tabelle. Andere Käfige sind auf Anfrage lieferbar. Bei solchen Käfigen können jedoch die Eignung für hohe Drehzahlen und hohe Temperaturen sowie die Tragzahlen von den Angaben für die Lager mit den Standardkäfigen abweichen.
Bei hohen Dauertemperaturen und Anwendungen mit schwierigen Betriebsbedingungen sollten Lager mit Messing- oder Stahlblechkäfig eingesetzt werden. Bestehen Unsicherheiten bezüglich der Käfigeignung, bitte bei Schaeffler rückfragen.
Käfig, Käfignachsetzzeichen, Bohrungskennzahl
Lagerreihe |
Massivkäfig |
Massivkäfig |
Stahlblechkäfig |
||
---|---|---|---|---|---|
TVH, TVP |
MP |
JP |
|||
Standard |
zusätzlich bei |
Standard |
zusätzlich bei |
zusätzlich bei |
|
Bohrungskennzahl |
|||||
718 |
06 bis 16 |
‒ |
‒ |
‒ |
‒ |
70 |
04 bis 08 |
‒ |
‒ |
‒ |
‒ |
72 |
bis 20, |
‒ |
21, ab 28 |
00, 03, |
bis 20, 22 |
73 |
bis 20, |
‒ |
21, ab 28 |
ab 04 |
bis 20, 22 |
74 |
‒ |
07 bis 15 |
05 bis 16 |
‒ |
07 bis 15 |
Lagerluft
Axiale Lagerluft, Vorspannung und Vorspannkraft von Lagersätzen mit Universallagern in O- oder X-Anordnung
Gültig für Lagersätze in O- oder X-Anordnung
Werte zu axialer Lagerluft, Vorspannung und Vorspannkraft der Lager in Universalausführung ➤ Tabelle. Die Werte der axialen Lagerluft gelten für nicht eingebaute Lagersätze in O‑ oder X‑Anordnung, im unbelasteten, messkraftfreien Zustand (ohne elastische Deformation).
Darüber hinaus können die Schrägkugellager auch mit anderer Lagerluft geliefert werden. Bitte dazu bei Schaeffler anfragen.
Axiale Lagerluft, Vorspannung und Vorspannkraft von Lagersätzen mit Universallagern in O- oder X‑Anordnung für die Toleranzklassen Normal, 6, 5
Bohrungs- |
Axiale Lagerluft oder Nennmaß |
Vorspannkraft FV max |
|||||||||
---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
μm |
N |
||||||||||
UA |
UB |
UO |
UL |
UL |
|||||||
Lagerreihe |
|||||||||||
70..-B, 72..-B, 73..-B, 74..-B |
70..-B |
72..-B |
73..-B |
74..-B |
70..-B |
72..-B |
73..-B |
74..-B |
|||
00 |
22 |
14 |
0 |
‒ |
–3 |
‒ |
‒ |
‒ |
38 |
‒ |
‒ |
01 |
24 |
15 |
0 |
‒ |
–4 |
–5 |
‒ |
‒ |
53 |
82 |
‒ |
02 |
24 |
15 |
0 |
‒ |
–4 |
–5 |
‒ |
‒ |
62 |
99 |
‒ |
03 |
24 |
15 |
0 |
‒ |
–4 |
–6 |
‒ |
‒ |
77 |
123 |
‒ |
04 |
28 |
16 |
0 |
–4 |
–5 |
–6 |
–8 |
103 |
103 |
146 |
258 |
05 |
34 |
19 |
0 |
–4 |
–4 |
–6 |
–8 |
115 |
112 |
200 |
300 |
06 |
34 |
19 |
0 |
–5 |
–5 |
–7 |
–8 |
141 |
157 |
250 |
365 |
07 |
40 |
22 |
0 |
–5 |
–6 |
–7 |
–9 |
172 |
208 |
300 |
462 |
08 |
40 |
22 |
0 |
–5 |
–6 |
–8 |
–10 |
200 |
246 |
385 |
535 |
09 |
44 |
24 |
0 |
‒ |
–6 |
–9 |
–10 |
‒ |
277 |
462 |
600 |
10 |
44 |
24 |
0 |
‒ |
–6 |
–10 |
–10 |
‒ |
288 |
535 |
692 |
11 |
46 |
25 |
0 |
‒ |
–7 |
–10 |
–11 |
‒ |
358 |
600 |
785 |
12 |
46 |
25 |
0 |
‒ |
–7 |
–10 |
–11 |
‒ |
431 |
692 |
877 |
13 |
46 |
25 |
0 |
‒ |
–8 |
–11 |
–12 |
‒ |
492 |
785 |
977 |
14 |
50 |
27 |
0 |
‒ |
–8 |
–11 |
–12 |
‒ |
535 |
877 |
1 154 |
15 |
50 |
27 |
0 |
‒ |
–8 |
–12 |
–13 |
‒ |
523 |
977 |
1 154 |
16 |
50 |
27 |
0 |
‒ |
–8 |
–12 |
–16 |
‒ |
615 |
1 077 |
1 385 |
17 |
54 |
31 |
0 |
‒ |
–8 |
–13 |
‒ |
‒ |
692 |
1 154 |
‒ |
18 |
54 |
31 |
0 |
‒ |
–9 |
–13 |
‒ |
‒ |
815 |
1 231 |
‒ |
19 |
54 |
31 |
0 |
‒ |
–10 |
–14 |
‒ |
‒ |
892 |
1 331 |
‒ |
20 |
54 |
31 |
0 |
‒ |
–11 |
–14 |
‒ |
‒ |
992 |
1 485 |
‒ |
21 |
58 |
34 |
0 |
‒ |
–11 |
–14 |
‒ |
‒ |
1 100 |
1 538 |
‒ |
22 |
58 |
34 |
0 |
‒ |
–12 |
–15 |
‒ |
‒ |
1 177 |
1 723 |
‒ |
24 |
58 |
34 |
0 |
‒ |
–12 |
–16 |
‒ |
‒ |
1 277 |
1 923 |
‒ |
26 |
60 |
34 |
0 |
‒ |
–12 |
–17 |
‒ |
‒ |
1 431 |
2 115 |
‒ |
28 |
60 |
34 |
0 |
‒ |
–12 |
–17 |
‒ |
‒ |
1 508 |
2 308 |
‒ |
30 |
60 |
34 |
0 |
‒ |
–13 |
–18 |
‒ |
‒ |
1 723 |
2 500 |
‒ |
32 |
60 |
34 |
0 |
‒ |
–13 |
–18 |
‒ |
‒ |
1 815 |
2 769 |
‒ |
34 |
70 |
40 |
0 |
‒ |
–14 |
–19 |
‒ |
‒ |
2 038 |
3 115 |
‒ |
UA = Lager mit geringer Axialluft
UB = Lager mit geringerer Axialluft als UA
UO = Lager spielfrei bei O- und X-Anordnung
UL = Lager leicht vorgespannt
Toleranzen zu Axialluft und Vorspannung
Toleranzen zu axialer Lagerluft und Vorspannung von Lagersätzen mit Universallager in O- und X-Anordnung ➤ Tabelle.
Toleranzen zur axialen Lagerluft und zur Vorspannung von Lagersätzen mit Universallagern in O- oder X‑Anordnung
Bohrungskennzahl |
Toleranzen |
|||||
---|---|---|---|---|---|---|
μm |
||||||
Lagerreihe |
||||||
70..-B, 72..-B |
73..-B |
74..-B |
||||
Toleranzklasse |
||||||
Normal, 6 |
5 |
Normal, 6 |
5 |
Normal, 6 |
5 |
|
00 bis 07 |
+8 0 |
+6 0 |
+8 0 |
+6 0 |
+8 0 |
+6 0 |
08 bis 09 |
+8 0 |
+6 0 |
+8 0 |
+6 0 |
+12 0 |
+10 0 |
10 bis 11 |
+8 0 |
+6 0 |
+12 0 |
+10 0 |
+12 0 |
+10 0 |
12 bis 34 |
+12 0 |
+10 0 |
+12 0 |
+10 0 |
+12 0 |
+10 0 |
Abmessungen, Toleranzen
Abmessungsnormen
Die Hauptabmessungen der Schrägkugellager in der Grundausführung entsprechen DIN 628-1:2008 und ISO 12044:2014.
Kantenabstände
Die Grenzmaße für Kantenabstände entsprechen DIN 620‑6:2004. Übersicht und Grenzwerte ➤ Abschnitt.
Toleranzen
Die Toleranzen für die Maß- und Laufgenauigkeit der einreihigen Schrägkugellager entsprechen der Toleranzklasse Normal nach ISO 492:2014. Toleranzwerte nach ISO 492 ➤ Tabelle.
Toleranzen bei Lagern in Universalausführung
Einreihige Lager sind auch in Toleranzklasse 5 lieferbar
Schrägkugellager der Universalausführung UA, UB, UO und UL gibt es außer in der Toleranzklasse Normal (kein Nachsetzzeichen für die Toleranz) auf Anfrage auch in der Toleranzklasse 5 und teilweise in Toleranzklasse 6. Toleranzwerte nach ISO 492 ➤ Tabelle bis ➤ Tabelle. Das Toleranz-Nachsetzzeichen für Lager der Universalausführung in der Toleranzklasse 5 ist dann:
- P5‑UA, P5‑UB, P5‑UO, P5‑UL.
Die Bohrungen der Lager in Universalausführung aller Toleranzklassen sind einheitlich nach Toleranzklasse 5 toleriert (ohne besonderes Nachsetzzeichen). Die Lagerbreite für Universallager ist nach ISO 492:2014 toleriert. Die Breitentoleranzen zeigt ➤ Tabelle.
Toleranz der Ringbreite bei Lagern in Universalausführung
Nenndurchmesser der Bohrung |
Breitenabweichung |
||||
---|---|---|---|---|---|
d |
tΔBs |
||||
mm |
μm |
||||
Lager in Toleranzklasse |
|||||
Normal, 6 |
5 |
||||
über |
bis |
U |
L |
U |
L |
‒ |
50 |
0 |
–250 |
0 |
–250 |
50 |
80 |
0 |
–380 |
0 |
–250 |
80 |
120 |
0 |
–380 |
0 |
–380 |
120 |
180 |
0 |
–500 |
0 |
–380 |
180 |
315 |
0 |
–500 |
0 |
–500 |
Toleranzsymbole ➤ Tabelle
U = Oberes Grenzabmaß
L = Unteres Grenzabmaß
Nachsetzzeichen
Die Bedeutung der in diesem Kapitel verwendeten Nachsetzzeichen ➤ Tabelle sowie medias interchange http://www.schaeffler.de/std/1B69.
Nachsetzzeichen und ihre Bedeutung
Nachsetzzeichen |
Bedeutung der Nachsetzzeichen |
|
---|---|---|
B |
geänderte Innenkonstruktion, Nenndruckwinkel α = 40° |
Standard |
JP |
Blechkäfig aus Stahl |
Standard, |
MP |
Massivkäfig aus Messing |
Standard, abhängig von der Bohrungskennzahl |
TVH, TVP |
Massivkäfig aus glasfaserverstärktem Polyamid PA66 |
Standard, abhängig von der Bohrungskennzahl |
P5 |
Lager in der Toleranzklasse 5 |
Sonderausführung |
2RS |
beidseitig berührende Dichtung (Lippendichtung) |
Standard |
UA |
Universalausführung für paarweisen Einbau, Lagerpaar hat bei O- und X-Anordnung |
Standard |
UB |
Universalausführung für paarweisen Einbau, Lagerpaar hat bei O- und X-Anordnung |
Standard |
UH |
Universalausführung für paarweisen Einbau, Lagerpaar hat bei O- und X-Anordnung |
auf Anfrage |
UL |
Universalausführung für paarweisen Einbau, Lagerpaar hat bei O- und X-Anordnung |
Standard |
UM |
Universalausführung für paarweisen Einbau, Lagerpaar hat bei O- und X-Anordnung |
auf Anfrage |
UO |
Universalausführung für paarweisen Einbau, Lagerpaar ist bei O- und X-Anordnung |
Standard |
XL |
X-life-Lager, abhängig von der Bohrungskennzahl und der Lagerbauform |
Standard |
Aufbau der Lagerbezeichnung
Beispiele zur Bildung der Lagerbezeichnung
Die Bezeichnung der Lager folgt einem festgelegtem Schema. Beispiele ➤ Bild und ➤ Bild. Für die Bildung der Kurzzeichen gilt DIN 623-1 ➤ Bild.
Einreihiges Schrägkugellager der Grundausführung: Aufbau des Kurzzeichens |
![]() |
Einreihiges Schrägkugellager in Universalausführung: Aufbau des Kurzzeichens |
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Dimensionierung
Dynamische äquivalente Lagerbelastung
P = Fr bei rein radialer Belastung konstanter Größe und Richtung
Die zur Dimensionierung dynamisch beanspruchter Lager verwendete Lebensdauer-Grundgleichung L = (Cr/P)p setzt eine Belastung konstanter Größe und Richtung voraus. Bei Radiallagern ist das eine rein radiale Belastung Fr. Ist dies gegeben, wird in die Lebensdauergleichung für P direkt die Lagerbelastung Fr eingesetzt (P = Fr).
P ist eine Ersatzkraft bei kombinierter Belastung und bei verschiedenen Lastfällen
Trifft diese Bedingung nicht zu, muss zur Lebensdauerberechnung zunächst eine konstante Radialkraft bestimmt werden, die (was die Lebensdauer betrifft) eine gleichwertige Beanspruchung darstellt. Diese Kraft wird dynamische äquivalente Lagerbelastung P genannt.
Fa/Fr ≦ 1,14 oder Fa/Fr > 1,14
Die Berechnung von P hängt vom Belastungsverhältnis Fa/Fr und dem Faktor 1,14 ab.
Tandem-Anordnung
Für dynamisch beanspruchte Einzellager und Lagerpaare in Tandem-Anordnung gelten ➤ Formel und ➤ Formel.
Dynamische äquivalente Belastung

Dynamische äquivalente Belastung

Legende
P | N |
Dynamische äquivalente Lagerbelastung |
Fr | N |
Radiale Belastung |
Fa | N |
Resultierende Axialkraft ➤ Tabelle. Zur Berechnung von Fa sind die Angaben im Abschnitt „Ermittlung der inneren resultierenden Axialkraft Fa für Einzellager und für Lager in Tandem-Anordnung“ zu berücksichtigen ➤ Link |
Lagerpaare in O- oder X‑Anordnung
Für dynamisch beanspruchte Lagerpaare in O- oder X-Anordnung gelten ➤ Formel und ➤ Formel.
Dynamische äquivalente Belastung

Dynamische äquivalente Belastung

Legende
P | N |
Dynamische äquivalente Lagerbelastung |
Fr | N |
Radiale Belastung |
Fa | N |
Ermittlung der inneren resultierenden Axialkraft Fa für Einzellager und für Lager in Tandem-Anordnung
Formeln zur Berechnung der inneren resultierenden Axialkraft Fa
Einreihige Schrägkugellager übertragen radiale Kräfte schräg zur Lagerachse von einer Laufbahn auf die andere. Bei einer Welle, die mit zwei einreihigen Schrägkugellagern gleicher oder unterschiedlicher Größe abgestützt wird, führt die radiale Belastung von Lager A durch die Neigung der Laufbahnen (α ≠ 0°) deshalb zu einer axialen Belastung von Lager B. Ebenso wirkt sich die radiale Belastung des Lagers B in einer axialen Belastung von Lager A aus; äußere Kräfte derartiger Lagersysteme ➤ Bild und ➤ Bild. Diese innere resultierende Axialkraft Fa muss bei der Berechnung der dynamischen äquivalenten Lagerbelastung P berücksichtigt werden. Formeln zur Berechnung der resultierenden Axialkraft Fa ➤ Tabelle. Die Tabelle zeigt, wie groß die resultierende Axialkraft – das ist die Summe bzw. Differenz von innerer und äußerer Axialkraft – bei Lagerungen nach ➤ Bild und ➤ Bild ist. Für die Tabelle gilt: Das Lager, auf das die äußere Axialkraft Ka gerichtet ist, wird mit A bezeichnet, das Gegenlager mit B.
Voraussetzungen zur Berechnung
Lager A wird radial mit FrA, Lager B radial mit FrB belastet ➤ Bild und ➤ Bild. FrA und FrB greifen in den Druckmittelpunkten der Lager an (Maß a in den Produkttabellen) und werden immer als positiv angesehen. Die Lager sind spielfrei, jedoch ohne Vorspannung.
Ermittlung der inneren resultierenden Axialkraft Fa
Fall |
Belastungsverhältnis |
Äußere Axialkraft |
Resultierende Axialkraft Fa |
|
---|---|---|---|---|
Lager A |
Lager B |
|||
1 |
|
Ka ≧ 0 |
|
Fa wird rechnerisch nicht berücksichtigt |
2 |
|
|
|
Fa wird rechnerisch nicht berücksichtigt |
3 |
|
|
Fa wird rechnerisch nicht berücksichtigt |
|
Fa = Innere resultierende Axialkraft, die bei der Berechnung der dynamischen äquivalenten Lagerbelastung P einzusetzen ist.
YA = YB = 0,57
Angestellte Lagerung mit zwei einreihigen Schrägkugellagern in O‑Anordnung, äußere Kräfte Ka = Äußere Axialkraft, die auf das Lager wirkt FrA = Radiale Belastung, Lager A FrB = Radiale Belastung, Lager B |
![]() |
Angestellte Lagerung mit zwei einreihigen Schrägkugellagern in X‑Anordnung, äußere Kräfte Ka = Äußere Axialkraft, die auf das Lager wirkt FrA = Radiale Belastung, Lager A FrB = Radiale Belastung, Lager B |
![]() |
Beispiel zur Ermittlung der inneren resultierenden Axialkraft Fa
Lagerung einer Ritzelwelle
Für die Lagerung einer Ritzelwelle sind einreihige Schrägkugellager vorgesehen ➤ Bild. Die Lagerung soll angestellt und in O-Anordnung ausgeführt werden. Zur Berechnung der nominellen Lebensdauer ist die dynamische äquivalente Lagerbelastung P zu ermitteln.
Belastungsschema der Ritzelwelle Ka = Äußere Axialkraft = 6,52 kN Kr = Äußere Radialkraft = 0,82 kN Kt = Tangentialkraft = 5,88 kN Resultierende Radialkräfte Fr Lager A, FrA = 7,30 kN Lager B, FrB = 2,20 kN |
![]() |
Bei einer Lagerung mit zwei Einzellagern ist die resultierende Axialkraft Fa zu berücksichtigen
Lager A nimmt die äußere Axialkraft Ka auf. Da es sich hier um eine angestellte Lagerung mit zwei Einzellagern handelt, muss bei der Lagerberechnung die innere resultierende Axialkraft Fa des Lagersystems nach ➤ Tabelle berücksichtigt werden. Für beide Schrägkugellager gilt YA = YB = 0,57. Belastungen ➤ Bild.
1. Schritt
Belastungsverhältnis mit ➤ Formel ermitteln.
Belastungsverhältnis


2. Schritt
Ergebnis mit möglichen Fällen vergleichen ➤ Tabelle. Es kann Fall 2 oder Fall 3 in Frage kommen ➤ Tabelle.
Ermittlung der inneren resultierenden Axialkraft Fa
Fall |
Belastungsverhältnis |
Äußere Axialkraft |
Resultierende Axialkraft Fa |
|
---|---|---|---|---|
Lager A |
Lager B |
|||
2 | ![]() |
|
|
‒ |
3 | ![]() |
|
‒ |
|
Parameter ➤ Formel
YA = YB = 0,57
3. Schritt
Mit ➤ Formel überprüfen, ob Fall 2 zutrifft ➤ Tabelle.
Äußere Axialkraft in Relation zum Belastungsverhältnis


Fall 2 trifft zu ➤ Tabelle.
4. Schritt
Fa ermitteln
Mit ➤ Formel die innere resultierende Axialkraft Fa für Lager A ermitteln. Es gelten die Berechnungen nach ➤ Tabelle, Fall 2.
Innere resultierende Axialkraft


Wert Fa zur Berechnung von P einsetzen
Zur Berechnung der dynamischen äquivalenten Lagerbelastung P wird dann für Lager A der ermittelte Wert für Fa in ➤ Formel eingesetzt, da Fa/FrA > 1,14 ist (8,45 kN/7,30 kN > 1,14).
Statische äquivalente Lagerbelastung
Tandem-Anordnung
Für statisch beanspruchte Einzellager und Lagerpaare in Tandem-Anordnung gelten ➤ Formel und ➤ Formel.
Statische äquivalente Belastung

Statische äquivalente Belastung

Legende
P0 | N |
Statische äquivalente Lagerbelastung |
F0r, F0a | N |
Größte auftretende radiale oder axiale Belastung (Maximalbelastung) |
Für statisch beanspruchte Lagerpaare in O- oder X-Anordnung gilt ➤ Formel.
Statische äquivalente Belastung

Legende
P0 | N |
Statische äquivalente Lagerbelastung |
F0r, F0a | N |
Größte auftretende radiale oder axiale Belastung (Maximalbelastung) |
Statische Tragsicherheit
S0 = C0/P0
Neben der nominellen Lebensdauer L (L10h) ist immer auch die statische Tragsicherheit S0 zu überprüfen ➤ Formel.
Statische Tragsicherheit

Legende
S0 | - |
Statische Tragsicherheit |
C0 | N |
Statische Tragzahl |
P0 | N |
Statische äquivalente Lagerbelastung |
Mindestbelastung
Um Schlupfschäden zu vermeiden, ist eine radiale Mindestbelastung von P > C0r/100 notwendig
Damit zwischen den Kontaktpartnern kein Schlupf auftritt, müssen die Schrägkugellager stets ausreichend hoch belastet sein. Erfahrungsgemäß ist dazu eine radiale Mindestbelastung in der Größenordnung von P > C0r/100 erforderlich. In den meisten Fällen ist die Radiallast allerdings durch das Gewicht der gelagerten Teile und die äußeren Kräfte schon höher als die erforderliche Mindestbelastung.
Ist die radiale Mindestbelastung niedriger als oben angegeben, bitte bei Schaeffler rückfragen.
Gestaltung der Lagerung
Lagerringe auf ganzem Umfang und ganzer Breite abstützen
Damit die Tragfähigkeit der Lager voll genutzt werden kann und so auch die geforderte Lebensdauer erreicht wird, müssen die Lagerringe durch Auflageflächen auf ihrem ganzen Umfang und über die volle Laufbahnbreite fest und gleichmäßig abgestützt werden. Die Abstützung ist als zylindrische Sitzfläche ausführbar. Die Sitz- und Auflageflächen sollen nicht durch Nuten, Bohrungen oder sonstige Ausnehmungen unterbrochen sein. Die Genauigkeit der Gegenstücke muss bestimmten Anforderungen entsprechen ➤ Tabelle bis ➤ Tabelle.
Radiale Befestigung der Lager – Passungsempfehlungen
Für eine sichere radiale Befestigung sind feste Passungen notwendig
Neben der ausreichenden Abstützung der Ringe müssen die Lager auch radial sicher befestigt werden, damit die Lagerringe auf den Gegenstücken unter Last nicht wandern. Das geschieht im Allgemeinen durch feste Passungen zwischen den Lagerringen und den Gegenstücken. Werden die Ringe nicht ausreichend oder fehlerhaft befestigt, kann dies zu schweren Schäden an den Lagern und angrenzenden Maschinenteilen führen. Bei der Wahl der Passungen sind Einflussgrößen wie Umlaufverhältnisse, die Höhe der Belastung, die Lagerluft, Temperaturverhältnisse, die Ausführung der Gegenstücke und Ein- und Ausbaumöglichkeiten zu berücksichtigen.
Treten stoßartige Belastungen auf, sind feste Passungen (Übergangs- oder Übermaßpassung) notwendig, damit sich die Ringe zu keinem Zeitpunkt lockern. Zu Spiel-, Übergangs- oder Übermaßpassung ➤ Tabelle und ➤ Tabelle.
Bei der Gestaltung der Lagerung sind die folgenden Angaben aus den technischen Grundlagen zu berücksichtigen:
- Umlaufverhältnisse ➤ Link
- Toleranzklassen für zylindrische Wellensitze (Radiallager) ➤ Tabelle
- Wellenpassungen ➤ Link
- Toleranzklassen für Lagersitze in Gehäusen (Radiallager) ➤ Tabelle
- Gehäusepassungen ➤ Link
Axiale Befestigung der Lager – Befestigungsarten
Die Lager müssen auch in axialer Richtung sicher festgelegt sein
Da eine feste Passung allein meist nicht ausreicht, die Lagerringe auf der Welle und in der Gehäusebohrung auch in axialer Richtung sicher festzulegen, muss dies in der Regel durch eine zusätzliche axiale Befestigung bzw. Sicherung erfolgen. Die axiale Fixierung der Lagerringe ist auf die Art der Lageranordnung abzustimmen. Geeignet sind prinzipiell Wellen- und Gehäuseschultern, Gehäusedeckel, Muttern, Abstandsringe, Sicherungsringe usw. ➤ Bild und ➤ Bild.
Maß-, Form- und Laufgenauigkeit für die Lagersitze
Für den Wellensitz mindestens IT6, für den Gehäusesitz mindestens IT7 vorsehen
Die Genauigkeit des Lagersitzes auf der Welle und im Gehäuse soll der Genauigkeit des eingesetzten Lagers entsprechen. Bei einreihigen Schrägkugellagern mit der Toleranzklasse Normal soll der Wellensitz mindestens dem Grundtoleranzgrad IT6, der Gehäusesitz mindestens IT7 entsprechen; bei der Toleranzklasse 6 soll der Wellensitz mindestens IT5, der Gehäusesitz IT6 entsprechen. Richtwerte für die Form- und Lagetoleranzen der Lagersitzflächen ➤ Tabelle, Toleranzen t1 bis t3 entsprechend ➤ Bild. Zahlenwerte für die IT-Qualitäten ➤ Tabelle.
Richtwerte für die Form- und Lagetoleranzen der Lagersitzflächen
Toleranzklasse |
Lagersitz-fläche |
Grundtoleranzgrade nach ISO 286-1 |
||||
---|---|---|---|---|---|---|
nach ISO 492 |
nach DIN 620 |
Durchmessertoleranz |
Rundheitstoleranz |
Parallelitätstoleranz |
Gesamtplanlauf-toleranz |
|
t1 |
t2 |
t3 |
||||
Normal |
PN (P0) |
Welle |
IT6 (IT5) |
Umfangslast |
Umfangslast |
IT4 |
Punktlast |
Punktlast |
|||||
Gehäuse |
IT7 (IT6) |
Umfangslast |
Umfangslast |
IT5 |
||
Punktlast |
Punktlastt |
|||||
6 |
P6 |
Welle |
IT5 |
Umfangslast IT3/2 |
Umfangslast IT3/2 |
IT3 |
Punktlast IT4/2 |
Punktlast IT4/2 |
|||||
Gehäuse |
IT6 |
Umfangslast IT4/2 |
Umfangslast IT4/2 |
IT4 |
||
Punktlast IT5/2 |
Punktlast IT5/2 |
Zahlenwerte für ISO-Grundtoleranzen (IT-Qualitäten) nach ISO 286-1:2010
IT-Qualität |
Nennmaß in mm |
||||||||
---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
über |
3 |
6 |
10 |
18 |
30 |
50 |
80 |
120 |
|
bis |
6 |
10 |
18 |
30 |
50 |
80 |
120 |
180 |
|
Werte in μm |
|||||||||
IT3 |
2,5 | 2,5 | 3 | 4 | 4 | 5 | 6 | 8 | |
IT4 |
4 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 10 | 12 | |
IT5 |
5 | 6 | 8 | 9 | 11 | 13 | 15 | 18 | |
IT6 |
8 | 9 | 11 | 13 | 16 | 19 | 22 | 25 | |
IT7 |
12 | 15 | 18 | 21 | 25 | 30 | 35 | 40 |
Rauheit zylindrischer Lagersitze
Ra darf nicht zu groß sein
Die Rauheit der Lagersitze ist auf die Toleranzklasse der Lager abzustimmen. Der Mittenrauwert Ra darf nicht zu groß werden, damit der Übermaßverlust in Grenzen bleibt. Die Wellen müssen geschliffen, die Bohrungen feingedreht werden. Richtwerte in Abhängigkeit von der IT‑Qualität der Lagersitzflächen ➤ Tabelle.
Rauheitswerte für zylindrische Lagersitzflächen – Richtwerte
Nenndurchmesser d (D) |
empfohlener Mittenrauwert |
||||
---|---|---|---|---|---|
mm |
μm |
||||
Durchmessertoleranz (IT-Qualität) |
|||||
über |
bis |
IT7 |
IT6 |
IT5 |
IT4 |
‒ |
80 |
1,6 |
0,8 |
0,4 |
0,2 |
80 |
500 |
1,6 |
1,6 |
0,8 |
0,4 |
Anschlussmaße für die Anlageflächen der Lagerringe
Die Anlageflächen für die Ringe müssen ausreichend hoch sein
Die Anschlussmaße von Wellen- und Gehäuseschultern, Abstandsringen usw. müssen sicherstellen, dass die Anlageflächen für die Lagerringe ausreichend hoch sind. Sie müssen jedoch auch zuverlässig verhindern, dass umlaufende Teile des Lagers feststehende Teile streifen. Diese Maße sind Grenzmaße (Größt- oder Kleinstmaße); sie dürfen nicht über- oder unterschritten werden.
Werden einreihige Schrägkugellager in Tandem-Anordnung eingebaut, ist auf eine ausreichende Überdeckung der sich berührenden Außenring-Stirnflächen zu achten. Im Zweifel bitte bei Schaeffler rückfragen.
Anstellen der Lager
Einzellager immer gegen ein zweites Lager anstellen
Einreihige Schrägkugellager müssen immer zusammen mit einem zweiten Lager oder als Lagersatz verwendet werden ➤ Bild. Werden zwei einzelne einreihige Schrägkugellager eingebaut, dann müssen diese so gegeneinander angestellt werden, bis die erforderliche Vorspannung oder das gewünschte Spiel erreicht ist.
Anstellung so wählen, dass die volle Funktion und Betriebssicherheit der Lager gewährleistet ist
Die richtige Anstellung der Lager beeinflusst die Funktion und Betriebssicherheit der Lagerung wesentlich. Ist das Spiel zu groß, wird die Tragfähigkeit der Lager nicht voll genutzt; ist die Vorspannung zu hoch, entstehen durch die stärkeren Reibungsverluste höhere Betriebstemperaturen, die sich wiederum negativ auf die Lebensdauer der Lager auswirken.
Angestellte Lagerung mit zwei einreihigen Schrägkugellagern
|
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Bei Lagersätzen entfällt das Anstellen
Unmittelbar nebeneinander angeordnete Universallager bzw. zusammengepasste Lager müssen nicht angestellt werden. Das gewünschte Betriebsspiel bzw. die geforderte Vorspannung werden hier durch die Wahl der Lagerluft bzw. Vorspannungsklasse in Verbindung mit den geeigneten Wellen- und Gehäusepassungen erreicht. Die richtige Wahl der Lagerluft bzw. Vorspannung ist bei diesen Lagersätzen deshalb besonders zu beachten.
Ein- und Ausbau
Die Ein- und Ausbaumöglichkeiten der Schrägkugellager mit thermischen, hydraulischen oder mechanischen Verfahren sind bereits bei der Gestaltung der Lagerstelle zu berücksichtigen.
Lager beim Einbau nicht beschädigen
Einreihige Schrägkugellager sind nicht zerlegbar. Beim Einbau solcher Lager müssen die Montagekräfte immer am festgepassten Lagerring angreifen.
Schaeffler-Montagehandbuch
Wälzlager sehr sorgfältig behandeln
Wälzlager sind vielfach bewährte Präzisions-Maschinenelemente zur Gestaltung wirtschaftlicher, zuverlässiger und betriebssicherer Lagerungen. Damit diese Produkte ihre Funktion einwandfrei erfüllen und die vorgesehene Gebrauchsdauer ohne Beeinträchtigung erreichen, müssen sie sorgfältig behandelt werden.
Das Schaeffler-Montagehandbuch MH 1 informiert umfassend über die sachgemäße Lagerung, Montage, Demontage und Wartung rotatorischer Wälzlager http://www.schaeffler.de/std/1B68. Daneben enthält es Angaben, die der Konstrukteur für den Ein‑ und Ausbau und die Wartung der Lager schon bei der Gestaltung der Lagerstelle beachten muss. Das Buch liefert Schaeffler auf Anfrage.
Rechtshinweis zur Datenaktualität
Die Weiterentwicklung der Produkte kann auch zu technischen Änderungen an Katalogprodukten führen
Im Mittelpunkt des Interesses von Schaeffler stehen die Optimierung und die Weiterentwicklung seiner Produkte und die Zufriedenheit seiner Kunden. Damit Sie sich als Kunde bestmöglich über diesen Fortschritt und den aktuellen technischen Stand der Produkte informieren können, veröffentlichen wir Produktänderungen gegenüber der gedruckten Ausgabe in unserem elektronischen Produktkatalog.
Änderungen der Angaben und Darstellungen dieses Katalogs behalten wir uns daher vor. Dieser Katalog gibt den Stand bei Drucklegung wieder. Neuere Veröffentlichungen unsererseits (in Printmedien oder digital) gehen automatisch diesem Katalog vor, soweit sie dasselbe Thema betreffen. Bitte prüfen Sie daher stets über unseren elektronischen Produktkatalog, ob aktuellere Informationen oder Änderungshinweise für Ihr gewünschtes Produkt verfügbar sind.
Weiterführende Informationen
Bei der Auslegung einer Lagerung sind neben den Angaben in diesem Kapitel auch folgende Kapitel in den technischen Grundlagen zu beachten: